A SHARPER BLUR

Wide Range. Cultural Focus. Editor Patrick Neithard

Und Zote! Und Quote!

Und Zote! Und Quote! 2Broke Girls (Kat Dennings, li. & Beth Behrs, re.) zeigt zwei alte neue Frauenrollen. Image copyright CBS

Und Zote! Und Quote!

2 Broke Girls ist die neue Serie (seien wir ehrlich, es ist eine Sitcom, mit den klassischen Lachern und Johlern akustisch untermalt) von Sex and the City Macher Michael Patrick King. Wer es gern zotig deutsch mag, immer Dienstags auf Pro Sieben. Auf Englisch ist`s um eine ganze Bremsspur mehr streetwise, mehr sassy und eben mehr way cool.

von Patrick Neithard, Zürich, 28. August 2012

Auch wer schlagfertig ist, muss vielleicht Kellnern

Max Black (Kat Dennings) schuftet, pleite (broke) wie sie ist, in zwei Jobs. Hauptberuflich im Diner. Und nebenbei als Nanny. Da hütet sie auch noch die Twitter-Passwörter der Society Lady “Peach”. Die Peach, die hat zwei Kinder, die Brad und Angelina heissen. (Das Passwort heisst jetzt aber nicht etwa ‘Brangelina’) aber mehr muss man da nicht mehr sagen. Max bringt dem Tussie auch mal zimmertemperiertes Wasser vom bloss einen Schritt weit entfernten Gestell. Hüterin des Spirits wie sie ist, und Kellnerin dazu. Ebenfalls eher nebenher hält die brünette Max sich zu Hause als Freund ein auf hübsch getrimmtes Tessinerbrötchen, eins auf zwei Beinen (gespielt von Noah Mills, er sieht ein bisschen aus wie der Frontmann von Maroon 5, und von wegen ‘I`ve got the Moves’, ja dazu kommen wir noch) und die Max, ja die Max backt auch Brooklyn`s finest cup cakes, nebst eher kleinen Brötchen.

Ziemlich viel Verkehr

Nun gut. Nicht nur das Tessinerbrötchen lüftet die Gonaden gern mal ausserhalb, auch bei Max` derzeitigen Arbeitskollegin im Diner ist hinsichtlich Verkehr dauerhaft Stosszeit. Der Boss “Bryce” Lee will sie unbedingt ersetzen. Denn er weiss, der Ruf des Diners bringt der schftenden Max ziemlich viele Glockenspanner, echte Holzköpfe auf die Holzbänke. Zwei machohaft coolen Schnippsern (“Zack zack, Bedienung!”) mit oller Strickmütze gibt die Max Saures: “Du denkst, das ! (schnippst Grünschnabel eins vor der Nase rum) bringt Dir Deinen Sofort-Service. Ich denke, das (schnippst nochmals) – trocknet eher meine Vagina aus!” Grünschnabels best friend (nebst gleich grosser Klappe auch die gleiche Labberstrickmütze in anderem Farbton) kippt ganz schnell auf ihre Seite, worauf sie nachdoppelt: “Nee Du! Du meinst zwar, wir sind im selben Team, aber..! Ich trage Mütze – wenn es kalt ist! Du hingegen trägst sie, weil Du meinst Du seistcool!” Aha. Englisch kommt das Zotenbashing einfach besser: “I – wear knithats because it’s cold. You! wear knithats because of Coldplay.” Wer’s noch nicht gemerkt hat, das Diner pendelt rufmässig zwischen ”das Diner, in dem die (*****) Cracknutten im Hooter`s-Look arbeiten” (und Kondome da geradesogut aus Strickware sein könnten) und “Geheimtipp für die besten Cup Cakes” – ja, die sind eben die von Max.

Schnipp schnapp Nase ab! oder: Hi. Was kann ich Dir bringen? Still aus “2Broke Girls” mit Kat Dennings. copyright CBS 2012

Doppelbödiger Reboot in Brooklyn

Max` vielverkehrende Arbeitskollegin darf den workers dress nach der letzten heissen Runde im Kühlschrank gleich ausgezogen liegen lassen. Die neu eingestellte Nachfolgerin heisst Caroline Channing (Beth Behrs). Und die hat, frei nach Max, ihren CV “nicht nur frisiert”, sondern für ihren reboot “gleich eine ganze Perücke aufgesetzt”. Musste sie auch, gejobbt hat das blonde Socialite noch nie, wie Max im ersten Mitarbeitergespräch schnell rauskriegt: Max: “Du bist Millionärstochter? Caroline: “Ja”. M: “Du hast den Präsidenten getroffen?” C: “Ja!” M: “Warst Du schon mal in der Schweiz?” C: “Ja!” M: “Du hast Paris Hilton getroffen?” C: “Nein, man muss auch Grenzen setzen”. Aber Carolines Vater zierte neulich die Frontseite: “Channings bankrott!! Townhouse von Behörden beschlagnahmt! “Jetzt pennt Caroline eben in der U-Bahn. Wo Max sie am nächsten Tag findet und eher unsanft weckt. Die Socialite wehrt sich mit einem pinkfarbenen (muss man’s sagen? ziemlich eindeutig geformten) Taser, und Max geht zum ersten Mal mit Gebrüll zu Boden. Caroline: “Oh nein, ich wusste nicht, dass der so weh tut, er iiist piiiink!” Der Funke ist gesprungen. Wobei an dieser Stelle gesagt sein muss, es bleibt lange unklar, ob der Funke zwischen dem Paar misery loves company oder opposites attract springt. Aber er springt tifig. Der Rest ist jetzt eben eher schnell erzählt. Caroline zieht zu Max, Tessinerbrötchen baggert, Caroline petzt, die Mannstusse, dumm wie Brot und aufs Muckistählen fixiert, fliegt in hohem Bogen raus. Auf die Frage, ob Caroline denn gar nix aus dem Ex-Zuhause vermisst, gibts filmisch dann ne Meisterleistung. Aaand cut to! harter Schnitt aufs nächste Bild, und die zwei sitzen auf Carolines Pferd (klar, oder? die Mädchenliteratin Enid Blyton wär vor Neid erblasst ob so vieler assoziativer Sprünge). Schön und gut, die zwei Girls finden sich jetzt hoch zu Ross “zum Pferde stehlen”. Und weils da oben einfach überschaubarer ist, im selben Sattel sitzend (mit den Bildern hat er`s, der Michael Patrick King) kommts dann zum Startup Plan: nicht mehr kleine Brötchen backen, sagt das gescheite Blondchen zum Brünettchen. Schuften im Diner, für einen eigenen Cup Cake Laden. Jaaa.

Der Scheibenwischer

Schlappe $ 328 haben sie nach dem heute auf ProSieben im neuen BadaBoom WochenProgramm ausgestrahlten Pilot zusammen, weshalb jede weitere Folge mit dem Titel “Und….XY” startet. Irgendwie sollen sich die Dinge ja addieren. Und entwickeln. Apropos entwickeln. Kat Dennings spielt bereits in der Folge “Hot Child in the City” ( dt.: Kinder, Kinder) der dritten Staffel Sex and the City (2000) für Michael Patrick King. In jener Erfolgsserie ist Kat Dennings eine Junior Kundin von Samanthas PR Agentur. Samantha soll dem publicitygeilen Rotzgör eine Party ausrichten, von der noch in 10 Jahren die Rede ist. Schliessluch kamen ihre Vorfahren nach jenem, die mit der Mayflower einzug hielten, also muss man dementsprechend klotzen! Abends treffen Samantha & Co sich in der Bar, in der bald auch das Gör mitsamt Dreier- Entourage auftaucht. Während die alten BFF’s sich mit der Anwältin Miranda darüber amüsieren, dass sie mit bald 40 nochmals Spange trägt, darf das Gör (Kat Dennings) dies taxieren mit: “Oh Girls look, hers are saphire!” Autsch. Als Samantha dann endlich die Party des Görs in der Villa eines von Samantha hofierten PR -Moguls ausrichtet, muss sie feststellen, dass der mehr auf das junge Chick mit den implantierten Melonenmöpsen als auf Samantha steht. Und das Gör gibt offen zu, dass er die Möpse finanziert hat. Und dass es ab und zu in des Moguls Villa squatted. Genug ist genug, Samantha schiesst scharf und wirft mit einer Melone durch das grosse Frontglas der Villa. Grosses Kino, obwohl nur Serie.

Scheibenwischer zwei:

Das Chick, das wie die vier Nuller -Jahre-Idol-BFF`s Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda immer im Rudel ( das ist, weil sie wenigstens auf ihre BFF`s zählen können) auftritt, darf ein paar mal kurz einen gekonnt auf der Ferse gedrehten Abgang – stets mit Abwinken- hinlegen. Sagen durfte sie auch noch anderes, schliesslich hat sie die brandneue Generation von ganz jungen Frauen verkörpert: “Z`ha, today, I`ll have no cell reception at aaall”. Wow. Und zu Samanthas PR sagt sie: “I want People`s Magazine, InTouch, InStyle, weisch, ich weiss schliesslich woher ich komme”. Alles darunter, wurde abgewinkt. Übrigens, das Abwinken geschieht ja anscheinend in New York/ Brooklyn und in jeder dritten leicht angeschwulten Sitcom Rolle stets mit diesem überzogenen “Schweibenwischer- Move”, bei dem die Hand so in einer Winkpose einmal im Kreis rumgeführt wird, während der Blick “Hallo?!!” zickt und meist die (manchmal durchaus imaginierte) Mähne zurückgeworfen wird. Einfach dass Ihrs wisst, Jungs, wenn das grad läuft, seid Ihr zu weit gegangen. Hochschwangeres Sendungsbewusstsein ist halt immer noch furchtbar trendy. Irgendwie muss man sich ja über all die Possen und Klischees hinweg behaupten.

Perfekt besetzte Hauptrolle

Sassy und witty ists dann jetzt in 2Broke Girls vor allem auf Englisch, weil es ein wenig Kultur (und die findet auch in der Sprache statt) nahebringt. Es wäre tatsächlich interessant, zu wissen, was aus den in den Nullerjahren idealisierten Frauenbildern wurde, besonders, wenn Michael Patrick King für Sex and the City ebenso zeichnete (da kennt man ja das schmachtig süsse happy end) und wie jetzt für 2Broke Girls. Es schwingt ja ein bisschen im Subtext mit, dass ihn die Geschlechterrollen nicht loslassen, wenn er in sex and the city eine Nebenrolle gestaltet, um die Hauptrollen mal ein bisschen fürschi ins Alter zu bugsieren. Und jetzt dieselbe Darstellerin post-Backfisch für ein erneutes Geschlechtergemetzel wählt. – 2012 gabs Nominationen für 2Broke Girls den People`s Choice Award und Emmys. Einen davon für den ziemlich rassigen Schnitt. Aber auch einen fürs Styling. Über den senfgelben Workdress, der , ei ei, wie süss, mit ketchuproten Bündchen daherkommt (und im grottenschlechten Beleuchterkonzept des Pilots echt würg aussieht) muss ich dann nochmals mit Kat Dennings reden. Der Dress taugt kaum als weitere Inspirationsquelle (workers dresses) in eine Marc Jacobs Kollektion. Ich rede dann aber auch noch mit ihr über ihre überaus gereifte Rolle im (ja, auch Teenie-) Streifen “Nick and Norah`s Infinite Playlist” von 2008. Bleibt zu fragen, ob oder vielmehr wie sich-in Anlehnung an das jeweilige Schlussbild (Ein Zähler des Kassenstands) allenfalls ein Zotenzähler ausmachen würde. Allein, mit Sitcoms ists eben meist anders als mit Serien. Die Quoten kommen bei Sitcoms nicht durch Cliffhanger, spannende Erzählung, vertiefte Figurenentwicklung. Immerhin aber ist das beschleunigte Zotenbashing aus den tiefsten 1980ern auf die Krisenstarre der 2010 hin getuned (und Sitcoms sind ja ein bisschen das “Theater fürs TV-hab-ich-sowieso-Budget”) Und noch was ist klar: Im Anschluss ins Kino schaffts dieser Michael Patrick King Auswuchs diesmal ganz sicher nicht.

2Broke Girls
ProSieben, jeweils Dienstag ab 21h10

copyright this article and this blog: 2012, Patrick Neithard, Zürich. All rights reserved. do not use or reproduce without permission

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